DAS SCHIND


Das Stück

 

Über Flucht, Bleibe und Habe und das geheimnisvolle Schind

Eine Groteske nach Motiven und mit live songs von Boris Vian.

 

 

 

Das Thema „Vertreibung“ wird in unserem Projekt in seiner ganzen Dringlichkeit künstlerisch angegangen. Eine kleine Gruppe von Menschen ist auf der Flucht in eine immer kleiner werdende Bleibe und Habe. Aus Flucht und Enge, Ratlosigkeit und Enttäuschung entstehen Anwürfe und Gesprächsfetzen. In diesen decken alle drei langsam den Abgrund von Abhangigkeit, Anpassungszwang, Druck und Angst auf. Dies bei versuchter Beschönigung und Verdrängung. Aber es sind Menschen mit durchaus berührenden, eigenwilligen Vergangenheiten ... und wir zeigen, dass einst Schweizer auswandern mussten aus wirtschaftlichen Gründen, unter ähnlich schwierigen Bedingungen wie die heutigen Vertriebenen.

 

Drei Menschen, zwei Männer und eine Frau, sind gezwungen, ihre Wohnung, ihre Bleibe, mehrfach zu wechseln. Dabei wird die Wohnung jedesmal kleiner. Ihre Flucht endet mit ihrem Tod, ihrem Verschwinden (frnz. disparaître).

 

Sie sind gejagt, verängstigt, in einer stets ungreifbar bedrohlichen Welt. Ein heftiges Geräusch treibt sie, ihre geringe Habe ist ihnen wichtig. Sie sind zu (fast beckettschem) Nichtstun und Warten verurteilt, sie reden scheinbar über Belanglosigkeiten, je mehr ihre Existenz bedroht ist. Sie verdrängen und kompensieren ihre Not. Tempo und Leere jagen sich hoch.

 

Auf der Bühne liegt stets das gekrümmte Schind, ein fabelartiges Menschenwesen, das sie immer wieder treten, an dem sie ihren Frust auslassen. Zugleich bemerken sie das aber nach aussen nicht, es wird nie thematisiert. Und sie brauchen es erst recht.

 

Am Ende sind alle Personen verschwunden. Ils ont disparu. Das Schind bleibt.

 


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Personen

Rahel Sternberg

Rahel Sternberg wuchs in Zürich auf und besuchte dort das italienische Kunstgymnasium Liceo Artistico. 2011 schloss sie dann die Schauspielschule an der ZHdK mit dem Bachelor ab und arbeitet seither fest verankert in der freien Szene Zürich als Schauspielerin.

 

2012 gründete sie mit Dominik Locher und Lea Whitcher die Gruppe Hengst Produktionen, mit welcher sie erfolgreich „Angelina und der Millionen Dollar Hengst“ zur Uraufführung brachte, am Premio Halbfinale war und welches dann ans Zürcher Theaterspektakel eingeladen wurde.

 

Nach ihrer Mitarbeit bei Timo Krstins Master-Abschlussprojekt „Die Versenkung des Atom-°©‐Uboots Kursk durch den Feigling Steve Jobs“, womit sie unter anderem ans Koerber Studio Hamburg eingeladen wurde, gründete sie mit ihm und Lea Whitcher den Verein Hitzkopf, welcher bis heute besteht, und aus dem Projekte wie KURSK entstanden sind (einer Theaterbesetzung im Cabaret Voltaire, der Roten Fabrik und dem Theater Neumarkt) und TERATOM, ein eigenkonzipiertes Stück über ein Geschwür, welches im legendären Perla Mode zu sehen war.

 

Im Theater Palazzo spielte sie den Wolf in Ein Schaf fürs Leben, szenische Fassung Jörg Jermann, Regie Kaspar Geiger. Ausserdem arbeitete sie mit Neue Dringlichkeit und pulp.noir zusammen, so wie immer wieder als Gast am Theater Neumarkt unter anderem zusammen mit Schorsch Kamerun oder Laura Koerfer.

Kurt Wegmüller

Schauspieler, Musiker.

Schauspieler im Théâtre tel quel.

Theaterfalle Basel (Blindensturz). Vermummter Herr in Wedekinds Frühlingserwachen (Kleine Bühne Theater Basel).

 

Education projects: Gare du Nord: Ein Tisch ist ein Tisch (Mit S.Zytynska). Bilder Einer Baustelle (mit S.Zytynska). Lehrer für Musik und Bewegung, Musiker in verschiedenen Barockorchestern.

 

Theater Bunte Büchse Berlin: Galgenbruders Nachtgesang (Gastspiel in Basel Ende März 2015).

 

Basalttheater: Edgar Läder im gleichnamigen Einmannstück mit Viviane Chassot am Akkordeon, Premiere

im Theater Palazzo 2015.

Peter Wyss

Peter Wyss spielte in vielen Produktionen unter der Regie von Danny Wehrmüller in der „Theatergruppe Rattenfänger”, Muttenz. Er verkörperte u.a. Matti in Berthold Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“, Macbeth in der gleichnamigen Tragödie von William Shakespeare sowie den Foulon in Thomas Hürlimanns „Der Franzos im Ybrig“.

 

Bei „Les Arts Scéniques“ aus Basel gab er den Philipp in Alan Ayckbourns Komödie „Halbe Wahrheiten“, mit Cary Rick als Regisseur. Derzeit erarbeitet er den Richter Adam in „Der zerbrochene Krug“.Peter Wyss absolvierte das Phil-I-Studium an der Universität Basel und arbeitete zuletzt als Lehrer und Mitglied der Schulleitung an der Gewerblich-industriellen Berufsfachschule Muttenz.

Jörg Jermann

Ich war an der Regieschule in Graz, arbeitete als Schauspieler, Clown und in Fabriken. Phil-I Abschluss in Basel Kunstgeschichte und Deutsch. Jahrelang führte ich Regie von Studententheatern und war im Schultheaterbereich tätig. Ich schreibe seit Jahren auch Theaterkritiken in der bz basel.

 

Mehrere Aufführungen eigener Stücke. Gedichte (drei Bände 2012) und Belletristik (Neuerscheinung anfangs 2016 im IL Verlag Basel „Gib Gas Hans“), Vernissage war im Literaturhaus Basel am 4. Februar 2016. Ich war acht Jahre Mitglied der Literaturkommission BL/BS, Schulleiter und Lehrer für Deutsch und Geschichte in

Basel.

 

2007 szenische Fassung von Robert Musils Törless für statt-theater (Roxy). 2014 szenische Fassung Ein Schaf fürs Leben (Theater Palazzo).

2015 Uraufführung des BASALTTHEATERS meines Stücks Edgar Läder im Theater Palazzo Liestal.

 

www.joergjermann.ch

Lukas Rickli

Geboren 1986, studierte an der Hochschule für Musik in Basel im Hauptfach Klavier bei Jean-Jacques Dünki, Komposition bei Balz Trümpy und Jakob Ullmann, Freie Improvisation bei Alfred Zimmerlin und Fred Frith, sowie zeitgenössische Musik.

Lukas Rickli lebt als freischaffender Pianist und Klavierlehrer mit seiner Familie in Basel.

 

Verschiedene Projekte als Improvisator, als Kammermusiker und als Bandmitglied führen ihn auf Konzertreisen im In- und Ausland.

Rudi Oberscheidt

spielt das stumme Schind

Kathrin Sutter

spricht die Stimme aus dem Lautsprecher


Unser Interesse am Stoff

Das Heitere von Sprachfeinheit, teils schrägem Benehmen und der spritzigen Songs. Körperbewegungen und die Kraft der Selbstbehauptung. Je weniger Platz in unserem Innern bleibt für Eigenes, Neues und Fremdes, desto xenophober benehmen wir uns. Die Angst vor Überfremdung ist ein Manko in unserem Innern.

 

Wir betrachten unsere Ausflüchte im Alltag, die kompensatorische Gier nach Habe und Bleibe, unsere Ticks und Surrogate, unser inneres Gejagtsein. Medien beeinflussen uns, wirtschaftliche Zwänge engen uns ein.

 

Die Enge und der Sprachwitz. Die Spannung zwischen Artifiziellem/Karikatur und existenzieller Not. Die Spannung von oft verfremdetem Spiel und unmittelbarer Wirkung von Text und Songs. Wir arbeiten multimedial und original: Ton, Musik, Schauspiel. Auch Boris Vian hat interdisziplinär gearbeitet als Musiker, Autor, Theatermann und Filmemacher.

 

Das Original ist stark bearbeitet, gekürzt. Und ergänzt mit kurzen Texten, zum Thema der Habe, der Dinge, der Flucht, der Bleibe, des Drucks und der Aggression:

  • aus Boris Vians Roman „Wir werden die Fiesen killen“
  • Konrad Bayer, Gedichte
  • Ghérasim Luca (lapsus linguae) und 
  • Francis Ponge. („Le parti pris des choses“)

Wir ergänzen den Abend mit einzelnen Auszügen aus Carl Schneider, 1818-1896, Liestal, Lebenserinnerungen (Bilder aus dem Baselbieter Volksleben).

 

Es ist noch gar nicht lange her, als Schweizer auch aus unserer Region unter elenden Bedingungen flüchten müssten aus wirtschaftlicher Not (Carl Schneider emigrierte mit seiner und anderen Familien aus Liestal nach Amerika): „Nun galt es ernst mit dem Auswandern. Es schlossen sich arme Familien aus Liestal, noch 62 Köpfe, an, die das Reisegeld bezahlt hatten. Mit einem Basler Auswanderungsagenten.“

 

Ebenso sind kurze Texte zu hören aus dem Auswanderungsbüchlein von 1844 von Johannes Glur aus dem Oberaargau.

 

Die gesungenen Lieder von Boris Vian mit neu übersetzten Texten in eigenen Arrangements passen zur Thematik.

 

Das alles ergibt eine mitreissende Verbindung von Gegenwartsspiegelung (Flucht, innere Enge),  sprachwitzigem Spiel und den Songs.